Das Corona-Virus hat uns weiterhin fest im Griff. Kontaktsperren, Selbstisolation, Quarantäne – das gesellschaftliche Leben wurde in den letzten Wochen auf den Kopf gestellt.  

Doch der CSD Nordwest bleibt auch 2020 sichtbar und präsent. In vielfältiger Weise werden wir in den kommenden Wochen Regenbogen-Sichtbarkeit in der Stadt herstellen. Haltet die Augen offen, verfolgt unsere digitalen Kanäle  oder bringt euch selber kreativ und individuell ein: 

  • Wir beflaggen Gebäude quer durch die Stadt 
  • Die Innenstadt wird trotzdem bunt! Mit Regenbogenfahnen entlang der Demo-Strecke 
  • Zusätzliche Banner mit Denkanstößen in der Fußgängerzone 
  • Plakatierung im Stadtgebiet 
  • Plakataktion in den Bussen der VWG  

Was findet noch statt? 

  • Pride@home

Sorge in deine Zuhause und in deinem Alltag für Sichtbarkeit. Deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Hänge zum Beispiel ein Flagge in dein Fenster, trage dein Pride-Shirt zum Einkaufen oder mache deine Forderungen sichtbar. Als Anregung haben wir hierzu folgende Vorlage erstellt.

  • Flaggenhissung am Rathaus 

Gemeinsam mit unserem Oberbürgermeister, werden wir den „Pride Month“ mit einer gemeinsamen Flaggenhissung am Rathaus eröffnen.  

  • Grußwort und Redebeitrag 

Schaut auf unseren Youtube-Kanal, Homepage und die sozialen Medien. Unser Oberbürgermeister wird uns ein digitales Grußwort schicken. Auch wir selbst werden unsere Botschaften fast wie gewohnt mit öffentlich machen. Und wir rufen gleichzeitig auch Vereine, Unternehmen und sonstige Unterstützer*innen auf sich mit kurzen Videobotschaften zu beteiligen. Schickt uns gern ein bis zu 90 sekündiges Video an demo@csd-nordwest.de.

* CSD Gottesdienst  

Als Unterstützerin im Kampf gegen alte Glaubenssätze engagiert sich erneut die evangelische Kirchengemeinde St. Lamberti mit einem CSD-Gottesdienst am 14. Juni um 10 Uhr. 

Unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandregeln wird es zwar nur eine begrenzte Zahl an Plätzen geben. Den Gottesdienst gestalten jedoch wieder mit Engagement und Überzeugung Pastorin Silke Oestermann, Schwester Lea (S.P.I.), die Aidshilfe Oldenburg und Dr. Christian Wetz. 

Da es kein gemeinsames Singen geben wird, übernehmen Uwe Heger, Annie Heger und Christian Arndt die musikalische Umrahmung. 

* Nacht der kleinen Künste 

Die Nacht der kleinen Künste wird nun ebenfalls verschoben. Leider ist es nicht möglich in sinnvoller und sicherer Weise unser traditionelles Kleinkunstfest zum Einläuten des CSD-Höhepunktes durchzuführen. Doch die frohe Botschaft: Alle Künstler*innen konnte dafür gewonnen werden, im nächsten Jahr dabei zu sein. Also verschieben wir die Nacht der kleinen Künste auf den 18. Juni 2021. 

Denkt daran: 

Der jährliche Christopher-Street-Day ist für viele LSBTIQ+ immer noch der einzige Ort und Rahmen, wo sie sich in der Öffentlichkeit so zeigen können, wie sie sind. Wo sie sich sicher und frei fühlen. Die aktuellen und zurückliegenden Beschränkungen hinsichtlich persönlicher Kontakte zeigen uns auch sehr deutlich, dass sich das Leben eben nicht in Gesetzestexten abspielt. Es sind die zwischenmenschlichen Interaktionen.  

Diese sind für viele LSBTIQ+ in Deutschland auch nach der Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare, nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und nach den vielen rechtlichen Fortschritten zur Gleichstellung, immer noch viel zu oft von Verbergen, Verstecken und Verleugnen geprägt.  

Nach einer aktuellen Studie  der europäischen Agentur für Menschenrechte, leben auch in Deutschland fast die Hälfte der LSBTIQ+ ihre Identität nicht offen aus. Dabei haben sogar weiterhin über 1/3 der Befragten in den letzten Monaten gewalttätige Übergriffe erlebt.  

Im Kampf gegen Vorurteile, Einstellungen, diskriminierende und ausgrenzende Haltungen ist noch viel zu tun. Gesetze ändern eben nicht automatisch über Generationen verinnerlichte Vorurteile. 

Das in Polen, mitten in der Europäischen Union und im Geltungsbereich angeblich schützender Rechtssprechung durch das Zusammenspiel von Politik und katholischer Kirche LSBTIQ+-freie Zonen ausgerufen werden, ist erschreckend und beängstigend. Es zeigt, wie tief die Glaubenssätze verankert sind, das Menschen angeblich unterschiedliche „wichtig und wertvoll“ sind. Es zeigt auch, wie stark hier religiöse Meinungen in Menschenrechte eingreifen. 

Doch Meinungen und Glaubenssätze können eben nicht die Basis für die Menschenrechte sein. Neben der weiteren rechtlichen Gleichstellung und Beseitigung von Diskriminierungen und Missständen, braucht es auch ein klares, deutliches und in praktisches Handeln umgesetztes Bekenntnis zur Vielfalt als Normalität.  

Unsere Forderungen:

  • Wir fordern ein Bekenntnis des Staates zu Vielfalt als gesellschaftlicher Normalität und deren verpflichtete Abbildung in den Curricula von Schulen und Universitäten. 
  • Wir fordern die Darstellung von LSBTIQ+ in Lehr- und Lernmaterialien abseits klischeehafter Stereotype. 
  • Wir fordern die Einbeziehung von LSBTIQ+ in die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. 
  • Wir fordern von der Bundesregierung und der europäischen Kommission ein entschiedenes Vorgehen gegen die menschenunwürdige Diskriminierung durch das Verkünden von LSBTIQ+-freien Zonen in Polen. Wir sehen hier einen klaren Bruch europäischen Rechts. 
  • Wir fordern die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal der sexuellen und geschlechtlichen Identität.